Martin Radtke Event

Kooperationen und Netzwerke als Erfolgsfaktoren für die Spitex-Zukunft

«Die Spitex muss in Zukunft vermehrt auf Kooperationen, Netzwerke und auf integrierte Versorgungsmodelle setzen», erklärte Marianne Pfister, Geschäftsführerin Spitex Schweiz. Sie sprach an der Fachtagung «Zukunft: Spitex» vor rund 120 Spitex-Topkadern in Olten. «Die Spitex soll helfen, wenn Menschen ein Bedürfnis haben. Es soll keine Rolle spielen, ob die Spitex die Aufgabe dann selber übernimmt, zusammen mit anderen löst oder weitergibt», so Marianne Pfister.

Marianne Pfister, Geschäftsführer Spitex Schweiz

An der Fachtagung «Zukunft: Spitex» treffen sich jährlich die Spitzen der Spitex-Organisationen aus der Deutschschweiz. An der diesjährigen Tagung in Olten diskutierten rund 120 Spitex-Top-Kader unter dem Motto «Innovation, Inspiration» die Zukunft der Spitex. In ihrem Referat ging Marianne Pfister, Geschäftsleiterin Spitex Schweiz, auf die zahlreichen Herausforderungen ein, die Spitex-Organisationen heute zu gewärtigen haben. «Die Anzahl Klientinnen und Klienten steigt kontinuierlich», führte Marianne Pfister aus. Besonders zugenommen habe die Anzahl Klienten im Alterssegment 20 bis 64. 2014 wurden 50‘890 Personen in diesem Alter durch die Spitex betreut, im Jahr 2018 waren es bereits knapp 90‘000. Weitere Herausforderungen wie zunehmend komplexe Pflegesituationen oder der soziokulturelle Wandel kommen auf die Spitex zu. Doch: «Die Spitex ist fit für den Wettbewerb», so Marianne Pfister.

«Roboter kann Spitex-Pflege nie ersetzen»

Das erste Schwerpunktthema der Tagung war «Robotik in der ambulanten Pflege». Für Tetraplegiker Peter Roos und Stefanie Fischer bedeuten Roboter ein Stück weit Unabhängigkeit und Entlastung. «Ein Roboter kann die Pflege der Spitex nie ersetzen», erklärte Stefanie Fischer im Video. «Roboter können Aufgaben übernehmen, die immer gleich sind. Aber Pflege ist immer anders.» Michael Früh und Alina Gasser, beide von der F&P Robotics AG, zeigten auf, was für Fähigkeiten der von ihnen entwickelte Assistenzroboter «Lio» hat. Und wo seine Grenzen liegen.

Assistenzroboter LIO

«Bei unserer Entwicklung haben uns zunächst auf stationäre Einrichtungen konzentriert», sagte Michel Früh. «Es braucht noch Zeit für ambulante Settings. Ich erwarte hier eine rasante Entwicklung.» Psychologin Alina Gasser zeigte, wie aufwändig es ist, LIO für spezifische Aufgaben zu programmieren. «Einen Gegenstand vom Boden aufheben oder Socken ausziehen kann eine grosse Hilfe sein.» Was bedeuten die Ausführungen für die Spitex? Gregor Kaufmann, Präsident Spitex Dagmersellen, sagte es so: «Was ich vermisse sind Ansätze, wie Assistenzroboter unsere Mitarbeitenden entlasten können.»

Umfassende Unterstützung von alten Menschen

Das zweite Schwerpunktthema beleuchtete integrierte Angebote. Das sind Konzepte, die ambulante und stationäre Grundversorgung aus einer Hand anbieten. «Thurvita bietet Hilfe für alte Menschen – umfassend und individuell», sagte Alard du Bois-Reymond, der Thurvita AG. Er zeigte auf, wie Thurvita diesen Grundsatz im Alltag umsetzt und wie er finanziert wird. «Der Gesetzgeber hat eine Systemgrenze geschaffen, die logisch erschien, im Alltag aber wenig tauglich ist.» Alard du Bois-Reymond geht neue Wege: «Bei schwerem Pflegebedarf kommt das Heim in die Wohnung!»

Auch die Stiftung Lindenhof rückt den Menschen in den Mittelpunkt. «Es braucht viel mehr Flexibilität und Durchlässigkeit», fordert Ralph Bürge vom Lindenpark in Oftringen. Er ist überzeugt, dass es in Zukunft eine stärkere interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit braucht. Ralph Bürge zeigte auf, wo der Lindenhof heute steht. Eine Schlüsselrolle ist der Concierge-Dienst. «Unsere Mitarbeitenden sind nahe bei den Menschen – und kümmern sich während Ferienabwesenheiten auch um Blumen und Haustiere», so Ralph Bürge. Der Lindenhof bietet auch Spitex, Tagesstätten für Kinder, Ferienappartements an, um nur einige aufzuzählen.

«Wir dürfen keine Angst vor den Privaten haben», zieht Sander Mallien, Stiftungsratspräsident der Spitex Limmat Aare Reuss LAR das Fazit aus dem Gehörten. «Wir alle sind laufend gefordert, besser zu werden, und Kooperationen zu prüfen.»

Höhere Verbrauchersicherheit wirkt sich auf Spitex aus

Das dritte Schwerpunktthema beleuchtete, wie sich die Revision der Medizinprodukteverordnung auf Spitex-Organisationen auswirkt. «Die Sicherheit der Endverbraucherinnen und -verbraucher soll erhöht werden», erklärte Anette Skowronsky, MedConCap, den Hintergrund der Revision. «Versorgt eine Spitex-Organisation Kunden mit Inkontinenzmaterial, dann ist sie eine Abgabestelle. Sie muss dokumentieren können, wann sie die Produkte von wem bezogen und an wen wann abgegeben hat», so Anette Skworonsky mit einem konkreten Beispiel. Wer bereits ein gut entwickeltes Qualitätsmanagementsystem habe, brauche nichts zu befürchten. «Leider kommen einmal mehr weitere administrative Aufgaben auf uns zu», nimmt Carmen Müller Fehlmann, Präsidentin der Spitex Bachtel, für die eigene Organisation mit. «Wichtig ist eine Klärung der Rollen und der Verantwortungen.»

Die Fachtagung «Zukunft: Spitex» wird organisiert von Gilbert Bayard, Rolf Müller und Martin Radtke, die alle als Berater im Gesundheitswesen tätig sind.


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